Danke für 34 Jahre Führung mit Haltung: Rita Durschei verlässt ESPAS
Nach über 34 Jahren voller Herzblut und Engagement verlässt Rita Durschei ESPAS. Dies haben wir zum Anlass genommen, um mit ihr nochmals die Zeit bei ESPAS Revue passieren zu lassen. In einem persönlichen Interview gewährt sie einen Einblick, was ihr besonders geblieben ist und welchen Projekten sich Rita künftig widmen wird.
Rückblick auf die Zeit
Du hast über 34 Jahre bei der Stiftung gearbeitet. Was war dein erster Gedanke, als du entschieden hast, ESPAS frühzeitig zu verlassen?
Der Entscheid, die ESPAS vorzeitig zu verlassen, ist über eine längere Zeit gereift. Mir war stets wichtig, die ESPAS nur dann zu verlassen, wenn ich dies mit einem positiven Gefühl tun kann und wenn ich weiss, dass das Unternehmen in guten Rahmenbedingen weitergeführt wird.
Mein ursprünglicher Gedanke war, etwas Neues zu beginnen und mich nochmals neu zu erfinden. Solange ich die Kraft, Freude und Gesundheit dazu habe. Gleichzeitig Raum für Neues zu schaffen und anderen Menschen Platz zu machen. Dieser Schritt fühlt sich nun richtig an, weil er sowohl Verantwortung als auch Offenheit für neue Wege vereint.
Wenn Du auf Deine Zeit zurückblickst: Welche drei Worte beschreiben diese Jahre für Dich am besten?
Ideen, Entwicklung und Vertrauen.
Erinnerst Du Dich noch an deinen ersten Arbeitstag? Was ist dir besonders geblieben?
Ich kam durch meine frühere Tätigkeit aus einem Umfeld, in der Technik und Design im Vordergrund standen. Als ich die ESPAS betreten hatte, wurde mir klar, dass ich in einer komplett anderen Welt gelandet bin: eine Welt, in der der Mensch im Mittelpunkt des Handelns steht.
Entwicklung der Organisation
Wie hat sich die Stiftung in diesen Jahrzehnten verändert und welche Meilensteine sind Dir geblieben?
ESPAS hat sich seit jeher mit grossem Engagement für Menschen mit einer psychischen oder körperlichen Erwerbsbeeinträchtigung eingesetzt. Weil wir überzeugt sind, dass sie einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten können. Die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen in verschiedenen Berufstätigkeiten begleiten zu dürfen, ist für mich eine bereichernde Erfahrung geblieben. Ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem psychisch beeinträchtigte Menschen an Büroarbeitsplätzen tätig sein können, war damals ein revolutionärer Schritt.
Besonders positiv war auch die Erweiterung unseres Dienstleistungsportfolios. Da der Bedarf seitens der Kund:innen stetig zunahm, konnten wir unser Angebot im Bereich der beruflichen Eingliederung und an angepassten Arbeitsplätzen deutlich ausbauen. Mit den beiden Standorten Richterswil und Winterthur haben wir uns dabei erfolgreich im Kanton Zürich positioniert. Ausschlaggebend für diesen Erfolg waren immer das Vertrauen in unsere Mitarbeitenden und die gezielte Förderung der erwerbsbeeinträchtigten Menschen. Was mich während meiner gesamten Zeit begleitet hat, ist die Überzeugung, dass die Zusammenarbeit von Menschen mit unterschiedlichen Ressourcen die beste Grundlage für die Weiterentwicklung der ESPAS bildet. Am meisten Freude bereitet es mir persönlich, Menschen zu sehen, die ihren Weg gefunden haben und ihr Leben selbstbestimmt gestalten können.
Führung und Werte
Welche Werte haben Deinen Führungsstil geprägt und waren für Dich essenziell für ein erfolgreiches Miteinander in Deinen verschiedenen Positionen?
Ein gutes Kennenlernen und aufmerksames Beobachten, was ein Mensch kann und wo seine Stärken liegen, waren für mich immer zentral. Ebenso wichtig war es, gezielt zu fordern und zu fördern, um den Menschen Schritt für Schritt mehr Autonomie zu ermöglichen. Mein Ziel war stets, sie zu begleiten und dorthin zu führen, wo sie hinmöchten.
Gab es Momente, die besonders herausfordernd waren – und was hast Du daraus gelernt?
Zwischen Wirtschaft und Sozialem bewegt man sich in einem Spannungsfeld, das in einer zunehmend agilen Welt stetig wächst und die Möglichkeit verschiedene Funktionen auszuführen hat mich motiviert, so lange bei ESPAS zu bleiben. Von der kleinen ESPAS zur Grossen zu wachsen war eine Herausforderung: Prozesse wurden komplexer, Abläufe langsamer und bürokratischer. Daran musste ich mich gewöhnen und Geduld lernen. Aus der Wirtschaft kommend war ich ein anderes Tempo gewohnt, doch mit der Zeit habe ich mich angepasst. Kein Tag wie der andere, das ist heute noch so!
Menschen und Zusammenarbeit
Was hat Dich in der Zusammenarbeit mit Mitarbeiter:innen, Partner:innen oder Klient:innen am meisten berührt oder besonders in Erinnerung bleiben?
Ich habe immer gerne mit Kund:innen, Partner:innen und Mitarbeitenden gearbeitet. Besonders die Arbeit in den ersten Jahren mit den Mitarbeiter:innen an einem angepassten Arbeitsplatz waren für mich prägend, denn ihre Bedürfnisse zu erkennen und sie in ihren persönlichen Zielen zu begleiten, war ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit. Dank meines fundierten Fachwissens, meiner strukturierten und lösungsorientierten Arbeitsweise konnte ich Kund:innen effizient beraten und dazu beitragen, unseren Dienstleistungsbereich erfolgreich auszubauen und ESPAS nachhaltig weiterzuentwickeln. Den heutigen Bereich der Zentralen Leistungen habe ich aufgebaut. Er bildet mit HR, IT, Facility Management und dem ESPAS Restaurant das organisatorische Herzstück, das den Betrieb von ESPAS tagtäglich am Laufen hält. Viele wertvolle Erfahrungen und Erinnerungen aus dieser intensiven und bereichernden Zeit werden mir bleiben.
Übergabe und Zukunft
Was wünscht Du der ESPAS für die Zukunft?
Offen zu bleiben, flexibel zu handeln und den Menschen stets im Mittelpunkt zu sehen – dabei aber die Qualität zu bewahren. Gleichzeitig bedeutet es, in Bewegung zu bleiben und dabei die eigenen Werte nie aus den Augen zu verlieren.
Persönlicher Blick
Was wirst Du aus dieser Zeit am meisten vermissen?
Alle wunderbaren Menschen, die ich kennenlernen und von denen ich auch sehr viel lernen durfte.
Privatleben und neue Lebensphase
Worauf freust Du Dich in Deiner Frühpensionierung am meisten?
Ich freue mich, dass ich viel mehr Freiheiten habe. Dadurch kann ich mehr bei mir selbst sein und Menschen aus meinem direkten Umfeld wieder näherkommen.
Gibt es Hobbys, Reisen oder Projekte, für die nun mehr Zeit bleibt?
Meine privaten Kontakte kann ich wieder besser pflegen und habe vermehrt die Möglichkeit mit ihnen ausgiebig Zeit zu verbringen. Zudem werde ich mich in Vereinen engagieren, um gemeinsam etwas bewegen zu können. Nebenbei werde ich meine Hobbies wie Segeln, Yoga und das Lesen vermehrt geniessen.
Abschluss
Wenn Du Deinem Nachfolger Michael Frei einen Rat mitgeben könntest – welcher wäre das?
Ich wünsche Michael viel Erfolg dabei, ESPAS weiterzuentwickeln und das Beste aus dem zu machen, was heute bereits entstanden ist. Besonders wünsche ich ihm, dass er auch in Zukunft vielen Menschen Sicherheit, Vertrauen und Orientierung schenken kann.
Und was möchtest Du den Beschäftigten und Wegbegleiter:innen zum Abschied noch sagen?
Herzlichen Dank, dass ich mit ihnen zusammenarbeiten und so viel von allen lernen durfte. Ich wünsche ihnen alles Gute für die Zukunft. Wichtig bleibt dabei, sich selbst treu zu bleiben, niemals aufzugeben und den eigenen Weg so weiterzugehen, wie man ihn sich vorstellt.
Liebe Rita
Im Namen aller Beschäftigten bei ESPAS wünschen wir Dir von Herzen alle Gute für Deinen neuen Lebensabschnitt sowie Zeit und Freude für all Deine künftigen Projekte und Vorhaben. Wir werden Dich vermissen!